Julius Plenz – Blog

Map Foraging

Mein Freund Kilian von der LMU hat sich zusammen mit zwei anderen Wissenschaftlern eine Studie ausgedacht, um die Visuelle Aufmerksamkeit von Teilnehmern zu testen. Ziel ist es, mit einem auf Google Maps basierenden Interface nach Tankstellen in Luftbildern zu suchen und diese zu markieren.

Die Studie ist offen für alle (sofern man über 18 ist und den GMaps-Nutzungsbedingungen zustimmt). Hier geht es zur Studie „Map Foraging“. Ein Hinweis: Bitte die einleitenden Texte sehr genau lesen – die Steuerung funktioniert nämlich nicht ganz so, wie man das von Google Maps gewohnt ist!

Ich selbst habe die Studie mehrmals hintereinander „gespielt“, einfach weil es wirklich Spaß macht.

posted 2013-05-11 tagged misc

Linkdump III

Ich sitze schon eine Weile auf diesem Artikel, der argumentiert, dass Überpopulation sich nicht als ein großes Problem darstellen wird in den kommenden Jahrzehnten. Jeffrey Sachs hatte ja argumentiert, man müsse die Weltbevölkerung bei ca. acht Milliarden Menschen stabilisieren, was ich nach wie vor für glaubhaft halte. – Mir erscheint der „No Population Bomb“-Artikel daher etwas zu optimistisch und technikgläubig. Und mal ehrlich: Dass Länder mit einem hohen BIP/Kopf eine stabile (oder stagnierende) Geburtenrate haben, war doch nicht neu?

„There is no alternative“ ist lesenswert mit interessanten Einsichten.

In the 1990s and the 2000s, right-wing parties were the enthusiasts of the market, pushing for the deregulation of banks, the privatisation of core state functions and the whittling away of social protections. All of these now look to have been very bad ideas. The economic crisis should really have discredited the right, not the left. So why is it the left that is paralysed?

Die Schadenfreude über den Reinhart–Rogoff-Fehler ist natürlich besonders in linken Kreisen verbreitet, aber Krugman fragt zu Recht:

Yet two big questions remain. First, how did austerity doctrine become so influential in the first place? Second, will policy change at all now that crucial austerian claims have become fodder for late-night comics?

Und dann habe ich heute einen interessanten Artikel über MMT gelesen. Ich wollte mich generell mal mit (Post-)Keynesianismus beschäftigen, weiß aber nicht wirklich, wo ich da anfangen soll.

Zum Schluss noch ein paar nachdenklich-wütende Worte zu Boston. Das im ersten Satz verlinkte Video ist wirklich ziemlich beunruhigend.

posted 2013-04-29 tagged linkdump

Linkdump II

Im Feuilleton der FAZ ist seit vorgestern die ungekürzte frankfurter Rede von George Soros zu lesen, und heute erschien ein Interview mit ihm. Ich finde ja, dass George Soros ein beeindruckender Mann mit Weitsicht ist, dem man zuhören sollte. (Und nebenbei bemerkt: Die „Lesermeinungen“ zu dem Interview sind ja sowas von unterirdisch…)

“I think this explains a lot about something that has always puzzled me: why the delay in resolving Cyprus after the Greek haircut?”

Exzerpt aus David Graebers neuem Buch. Mit interessanten Einsichten:

What if those currently running the system, most of whom witnessed the unrest of the sixties firsthand as impressionable youngsters, are—consciously or unconsciously (and I suspect it’s more conscious than not)—obsessed by the prospect of revolutionary social movements once again challenging prevailing common sense?

Und:

… but [politicians, CEOs, trade bureaucrats, and so forth] have succeeded magnificently in convincing the world that capitalism—and not just capitalism, but exactly the financialized, semifeudal capitalism we happen to have right now—is the only viable economic system. If you think about it, this is a remarkable accomplishment.

Erinnert mich an: “The greatest trick the devil ever pulled was convincing the word he didn’t exist.”

Zum Ende wird der Artikel etwas utopisch, wie der Titel “A Practical Utopian’s Guide to the Coming Collapse” ja schon vermuten lässt.

posted 2013-04-14 tagged linkdump

Bilder aus Dubai

Ich bin wieder in Berlin. Ich habe es keinesfalls bereut nach Dubai zu gehen, aber am Ende der Zeit wurde es mir doch ein bisschen langweilig. Ist nicht wirklich meine Stadt, auch wenn der Strand und das Essen vorzüglich sind.

Hier noch ein paar Bilder. Die Metro-Stationen sehen ziemlich futuristisch aus, und werden nonstop von innen gereinigt.

Das Burj Khalifa aus der Ferne…

… und der Blick vom 124. Stock runter:

Und in der Wüste war ich natürlich auch:

posted 2013-04-10 tagged dubai and life

Linkdump

Viel Zeit heute zum Lesen, auch wenn in Dubai kein Feiertag ist.

The science of obfuscation über Datensammler und absichtliche Verschleierung:

Obviously there is nothing inherently wrong with gathering data on individuals — it is lifeblood of the work of the epidemiologist, for example, and the starting point for many of the benefits mentioned above. It is in the combination of data gathering with authority and its interests where the problem begins. […] We don’t have access to the other databases, nor the techniques and the training in mathematics and computer science, to comprehend what can be done with seemingly trivial details from our lives and activities, and how they can provide more powerful, total and revealing analyses than we could have anticipated [14]. The inconsequential and even benign can quickly become the problematic and sinister.

Wenn ihr euch fragt, was Mathematiker eigentlich so machen, wenn sie ein gewisses Level erreicht haben: Diese Staubsaugeranalogie hilft weiter. So lustig es klingt, so wahr ist es auch.

Ein paar Gedanken zur Zeitumstellung und dem Konzept des „sozialen Jetlag“.

Hier spricht mal ein Insider darüber, dass das Problem der Finanzkrise natürlich kein Liquiditätsproblem ist, auch wenn man das jetzt noch nicht zugeben kann.

Während in Portugal der Besitz von geringen Mengen von Drogen seit 12 Jahren straffrei ist and die Bilanz recht gut aussieht, importiert man in UK schon Chinesen, um Amphetamine aus nicht staatlich kontrollierten Substanzen herzustellen.

Interessanter Artikel der ehemaligen Redenschreiberin von Zuckerberg über das neue Buch der COO von Facebook, Sandberg: Feminism’s Tipping Point: Who Wins from Leaning in?:

Sandberg’s book, very strategically, makes no mention of feminist critiques of Facebook, and instead imagines a feminist platform where women’s problems with undercompensation and sexism lie in women themselves, thus negating the need to change Facebook’s operations. In this way Sandberg is able to deploy Facebook’s oft-used tactic of building an in-house version of a competitive product, a move traditionally deployed against apps, against competing feminisms.

Greg Palast über den Irak und das Öl

Ich habe das Harlem-Shake-Video ja noch nicht gesehen, aber anscheinend war das im wesentlichen Fabrikation. Siehe auch: Wie die Reddit-Kultur sich als Werbevehikel missbrauchen lässt. (Wobei es da natürlich auch immer grandioses zu finden gibt.)

Und eine Studie belegt, dass das Klischee das zufriedenen, faulen Arbeitslosen ziemlicher Humbug ist.

Update 03. April: Hatte ich schon irgendwo abgelegt, aber erst heute gelesen: Sehr wichtiger Artikel von Morozov über Tim O’Reilly.

posted 2013-04-01 tagged linkdump

Gefühle und Meinungen respektieren

Was ich ja immer wieder faszinierend finde, ist die meist vollkommen unbemerkte und unreflektierte, aber in weiten Teilen der Bevölkerung vorherrschende Meinung, Atheisten hätten keine Meinungen oder Gefühle, die man respektieren müsste – während parallel dazu gefordert wird, doch toleranter gegenüber den Gläubigen des Islam/Christentum/Papst etc. zu sein, und ihre religiösen Gefühle zu schonen. DieStandard schreibt:

Das Ereignis Papst-Wahl verleitete viele Medien dazu, zu vergessen, dass nicht nur religiöse Gefühle verletzt werden können, sondern auch atheistische.

Das eine sind direkte Angriffe wie „Die Nichtgläubigen werden in der Hölle schmoren!“ und dergleichen; aber darum geht es mir nicht. Vielmehr geht es mir darum, wie ungleich hier argumentiert wird. Wenn Deniz Yücel seinen Kommentar über den neuen Papst beginnt mit:

Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen, ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger, der seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt war, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte.

… dann finden das die Autoren im Radio Vatikan Blog gelinde gesagt daneben:

[…] aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden: Ihr seid dumm.

„Mimimi, die kritisieren unseren Glauben!“ – Mal ganz abgesehen davon, dass der neue Papst ein alter Sack ist und dass die katholische Kirche in ihren Strukturen so alt und verkalkt ist, dass man wohl in jedem anderen Gewerbe sagen würde: „wegschmeißen, aus den Fehlern lernen und neu anfangen“ – ganz abgesehen davon ist dies eine Art von Kritik, die nicht im geringsten anerkennt, wie sehr wir Atheisten jeden Tag für komplett dumm gehalten werden.

Wenn ich so als Atheist durchs Leben gehe, dann steht vor jeder religiösen Botschaft immer auch der Satz: „Wir halten euch alle für so dämlich und gutgläubig, dass ihr auch das Folgende akzeptieren werdet: …“. – Das fängt an bei Behauptungen wie dass die Kirche doch Ursprung und Bewahrer demokratischer Grundideale ist, geht weiter mit der Verbreitung rückständiger Sexual-, Moral- und Verantwortungs-Vorstellungen sowie Familienbildern und kulminiert natürlich in den diversen Mythen, die die Grundpfeiler monotheistischer Religionen ausmachen (insbesondere spielt meist ein eifersüchtiger Gott eine tragende Rolle).

So sieht die Realität aus, Tag für Tag. Und wenn mir jemand ernsthaft weismachen will, dass es keine intellektuelle Beleidigung ist, in einer renommierten Zeitung seitenlange Berichterstattung über einen Papst zu lesen, der im Jahre 2013 Abtreibung und gleichgeschlechtliche Beziehungen verbietet – anstatt eines Aufschreis ob der Rückständigkeit dieses Alten Sackes mitsamt seiner Institution – dann würde ich das gerne mal hören. Und bitte ohne die Worte „Tradition“, „althergebracht“ oder „weithin akzeptiert“ zu verwenden. Das wäre unsachlich.

posted 2013-03-20 tagged life and religion

Winter und Sonne

Komplett zustimmen konnte ich diesem Tweet von Afelia von vor ein paar Tagen:

Theorie: Alles ist auch deswegen schlecht, weil kaum einer von uns seit drei Monaten die Sonne gesehen hat.

Und die Tagesschau bestätigt’s heute:

Der Winter 2012/2013 ist der sonnenscheinärmste seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951. … Seit Anfang Dezember gab es in Deutschland im Schnitt nur 96 Sonnenstunden, normal sind 154.

Nächsten Winter muss ich mir was überlegen um das zu überleben, und zwar früh. Johanniskraut? Tageslichtlampen? Solarium? Mal schauen. – Noch bin ich leider nicht in der Position, einfach den gesamten Winter in Äquatornähe verbringen zu können.

posted 2013-02-28 tagged life

Erste Eindrücke aus Dubai

Ich bin nun seit einer Woche in Dubai. Als letzter Teil meines langen Weges zu einem Bachelor-Abschluss muss ich ein Betriebspraktikum machen, das mindestens sechs Wochen dauert. Laut Regulation darf das nicht an meiner Heimatuniversität sein, und auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass man eine potentielle Berufslaufbahn erkunden soll, und deswegen freiberufliche Tätigkeiten nicht anerkannt werden (?!). – Also habe ich mich bemüht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und bin nun in Dubai, um ein Praktikum bei einer Firma abzuleisten, die Netzwerkdienstleistungen für Fluggesellschaften anbietet.

Ganz anders als die anderen Großstädte, in denen ich in den vergangenen Jahren so war, ist Dubai erwartungsgemäß luxuriös und hoch technisiert. Hier scheint alles neu zu sein: Die Metro wurde erst vor zwei Jahren eröffnet, die knapp 80 Jumeirah Lake Towers, die das Viertel ausmachen, in dem ich arbeite, wurden in einem Kraftakt innerhalb von wenigen Jahren gebaut – schön mit künstlichen Seen und einer Metro-Station direkt vor der Tür. (Siehe auch auf Google Maps.)

Ich wohne glücklicherweise direkt an der Metro-Station Business Bay, direkt an der Sheikh Zayed Road, einer in beiden Richtungen sechsspurig verlaufenden Stadtautobahn. Die Straße überquert man bei den Metro-Stationen über (natürlich klimatisierte) und mit Laufbändern wie in Flughäfen ausgestattete Fußgängerbrücken. In meinem Stadtteil sieht man von fast überall das Burj Khalifa, das (momentan noch) höchste Gebäude der Welt.

Dubai ist leider gar nicht so warm, wie ich mir das vorgestellt habe, wobei jetzt wohlgemerkt auch hier noch Winter ist. Tagsüber ist es ganz nett, aber da muss ich ja arbeiten. Ansonsten ist hier alles klimatisiert: Nicht nur alle Wohnhäuser, Büros, die U-Bahnen: Nein, auch die U-Bahn-Stationen und sogar die Bushaltestellen!

Da ich zu Hause weder einen Stuhl noch einen Tisch besitzte, verbringe ich die Abende meist in irgendwelchen Cafés, gestern mit einem meiner Kollegen in Dubai Marina, einem Viertel, das genau wie JLT fast nur aus Wolkenkratzern besteht. Die künstlichen Seen zwischen den Häusern sind dort aber viel tiefer und auch mit Booten vom Meer aus zu erreichen.

Insgesamt ist die Stadt großteils extrem Fußgänger-unfreundlich und zentralisiert. Anstatt ziellos durch die Gegend zu laufen und zufällig ein nettes Restaurant oder Cafe zu finden, fährt man häufig in die nächste Mall, wo dann dutzende oder sogar hunderte Gelegenheiten sind, etwas zu essen. Die Malls sind hier so riesig, dass es Computerterminals gibt, mit Hilfe derer man sich zurecht finden kann und die Auswahl der Läden erkunden kann. Ich hasse Shopping, aber ich werde mich für die Zeit wohl damit abfinden müssen, dass das hier eines der größten Dinge ist.

Dass das Internet hier zensiert wird, ärgert mich. Ich habe mittlerweile herausgefunden, wie man die Maßnahmen umgehen kann, ohne ein VPN zu benutzen; mit der Veröffentlichung der technischen Details warte ich aber sicherheitshalber, bis ich wieder außer Landes bin…

posted 2013-02-21 tagged life and dubai

Followup “Blood in the Mobile”

Als Followup zu dem bereits erwähnten Film “Blood in the Mobile”:

Der Kongo spielt nur eine geringe Rolle bei der Versorgung der internationalen Elektronikindustrie. Seit der neuen US-Gesetzgebung von 2010 und den entsprechenden Diskussionen über internationale Regelwerke ist der Coltan- und Zinnexport aus [der krisengeschüttelten Provinz] Kivu faktisch zusammengebrochen, weil niemand mehr das Zeug aus dem Kongo will. Und, kein Zufall: Seit diesem Zusammenbruch schließen sich in Kivu mehr junge Menschen bewaffneten Gruppen an als je zuvor. Der Bergbau bot eine Einkommensmöglichkeit, die jetzt größtenteils weggebrochen ist. Die Krise des Bergbaus ist konfliktfördernder als der Bergbau selbst es je war.

Dieser Absatz ist aus einem Kommentar von Dominic Johnson in dem immer wieder zu empfehlenden Blog Kongo Echo.

posted 2013-02-18 tagged africa and congo

Bachelorarbeit

Ich habe letzte Woche Freitag meine Bachelorarbeit zum Thema „Klassifikation quaternionischer Möbiustransformationen“ abgegeben und gestern erfolgreich verteidigt. Falls Du also Interesse an Quaternionen oder Möbiustransformationen hast, oder sogar an beidem… dann ist ein Blick in das PDF sicherlich sinnvoll:

Titelblatt Bachelorarbeit

Jetzt sitze ich gerade am Flughafen Schönefeld an einem Gate ohne Sitzgelegenheiten auf dem Boden und warte auf meinen Flug über Istanbul nach Dubai – und darf mich wohl auf sommerliche Temperaturen freuen!

posted 2013-02-13 tagged uni and life

Licht

Schönes Licht wird unterschätzt!

fading light

posted 2013-01-21 tagged life

Hausverwaltungen

Psst… He, Du! Bist Du auch auf der Suche nach einer Hausverwaltung, die sich einen Dreck um ihre Mieter kümmert? Nicht, dass es solche in Berlin nicht wie Sand am Meer gäbe … aber ich hätte da eine.

Ich weiß, über kaputte Heizungen bitchen ist bei noch über null Grad nachts nicht angebracht. Man kann ja immer noch warm duschen, wenn’s kalt ist. Leider funktionieren seit Donnerstag Nacht, also seit mittlerweile dreieinhalb Tagen, weder Heizung noch Warmwasser. Es ist mittlerweile auch wirklich kalt: Nach 10 Minuten Ringbahn-Fahren heute morgen – ich bin im Büro, auch wenn ich heute nicht arbeiten muss, einfach weil meine Finger zu Hause so kalt sind, dass ich nicht mehr vernünftig tippen kann – nach 10 Minuten in des S-Bahn war mir so warm wie seit zwei Tagen nicht mehr.

Der Hauswart ist wohl in im Urlaub in der Türkei. Angeblich kamen Freitags noch Heizungsmechaniker, die gesagt hätten, alles sei okay. Ein montagmorgentlicher Anruf bei der Hausverwaltung ergibt, dass sie wohl im Glauben waren, alles sei heile – wohl, weil sich kein Mieter gemeldet hätte. Was für eine irrige Annahme, dass sich Mieter melden würden, dass die Heizung immer noch nicht tut, ohne dass sie wissen, dass etwas passiert ist. Und um sowas zu prüfen, hat man einen Hauswart. Oder man ruft die Mieter an. Wie schwer kann’s sein.

Ich glaube aber, dass das kein Missverständnis, sondern Kalkulation. Und wir als Mieter haben uns da ganz simpel verarschen lassen: Zunächst mal sind wir an die Hausverwaltung gebunden, die aber nicht an uns. Bei so rasant steigenden Mieten ist die Hausverwaltung natürlich froh über jeden Mieter, der auszieht. Selbt die Kosten für einen Monat Leerstand wären innerhalb von weniger als einem halben Jahr wieder drin.

Die einzige Möglichkeit, die Hausverwaltung unter Druck zu setzen ist, eine Mietminderung vorzunehmen. (Man muss sich allerdings bewusst sein, dass auch das Probleme nach sich ziehen kann.)

Eine kleine Rechnung, ohne genaue Daten zu kennen: Bei 10 Parteien, die im Schnitt 800 Euro warm zahlen, beliefe sich eine Mietminderung von 100% für fünf Tage auf 5/30 * 10 * 800 ≈ 1.333 Euro. Davon könnte man zwei Heizungstechnikern sechs Stunden lang einen Notfall- und/oder Wochenendzuschlag von 100 Euro pro Techniker pro Stunde zahlen, und es wäre pronto-pronto erledigt.

Wie es aber gelaufen ist: Vermutlich hat niemand noch am Freitag per Einschreiben eine Mietminderung angedroht, erst recht nicht alle 10 Parteien gesammelt. (Ich kann das nicht machen, weil ich nicht mal Hauptmieter bin.) Aus purem Kalkül ist es für die Hausverwaltung also günstiger, die Heizung nicht zeitig reparieren zu lassen. Hah, man muss ja nicht mal für die Heizkosten zahlen in den paar Tagen!

„Wir hoffen, dass morgen oder übermorgen wieder alles in Ordnung ist.“ – Fuck you.

Update: Seit Donnerstag Abend, also am siebten Tag nach dem Ausfall, geht alles wieder.

posted 2012-11-05 tagged life

Bookdump

In den aktuellen Bestsellerlisten findet sich momentan fast überall Jonas Jonassons Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Mit gutem Grund: Das Buch lässt sich locker-leicht lesen und eignet sich bestens als Ferienlektüre. Ähnlich leicht und anekdotisch kommen Charles Bukowskys Notes of a dirty old man daher: Immer gut für einen Lacher. Den Klassiker Catch-22 von Joseph Heller habe ich 150 Seiten angelesen, konnte aber irgendwie nichts damit anfangen. Die neuerliche Lektüre von Aldous Huxleys Brave New World war unterhaltsam. (Siehe auch diesen treffenden Webcomic, der die Dystopien von Orwell und Huxley vergleicht.)

Graeber: Debt In meinen Augen extrem wichtig ist David Graebers Buch Debt / The First 5000 Years. Allseits hochgelobt, hat mir das Buch eine Art der historischen Analyse gezeigt, die ich bisher nicht kannte. Spannend, unterhaltsam aber unglaublich gehaltvoll und detailreich zugleich – das Buch muss man gelesen haben, alleine schon des Einstiegskapitels wegen, The Myth of Barter (dt.: Der Mythos des Tauschhandels). Intellektuell schockiert war ich von der anscheinend gut belegten Tatsache, die sich zusammenfassen lässt als:

His [Llewellyn-Jones] study covers the entirety of the ancient Greek world and argues that veiling was routine for women of varying social strata, especially when they appeared in public or before unrelated males.

In den Worten Graebers (Debt, p. 188):

As much as it flies in the face of our stereotypes about the origins of “Western” freedoms, women in democratic Athens, unlike those in Persia or Syria, were expected to wear veils when they ventured in public.

Das habe ich im Latein- und Geschichtsunterricht nie gehört. Im Gegenteil, die Frauen wurden in den Büchern immer als fortschrittlich, demokratisch und relativ emanzipiert dargestellt. – Definitiv ein Buch, dass ich in näherer Zukunft nochmal lesen werde.

Für das Verständnis moderner Konflikte ist auch A game as old as Empire sehr hilfreich. Als „Nachfolger“ von Economic Hitmen präsentiert Hiatt Menschen, die in ganz unterschiedlichen Kontexten und mit ganz unterschiedlichen Motivationen in Branchen arbeiten, die im Endeffekt darauf abzielen, die Wirtschaft von Ländern anzugreifen: Seien es Offshore-Banker, für amerikanische Ölfirmen in Nigeria arbeitende Söldner oder Berater und Analysten der Weltbank oder des IMF.

Ich habe auch wieder ein bisschen mehr SciFi gelesen: Angefangen mit dem Klassiker Snow Crash von Neal Stephenson, den ich allerdings nur mäßig beeindruckend fand. Viel mehr gefallen hat mir da Fear Index von Robert Harris, das sich mit autonomen Börsenhandelssystemen befasst, die plötzlich ein hazardöses Verhalten an den Tag legen; außerdem habe ich das erste Mal etwas von Cory Doctorow gelesen: For the Win, ein in China, Indien (Dharavi), Singapur und den USA spielendes Buch, das wunderbar zu Graebers Buch passt, denn dort geht es um virtuelle Spielgüter, die aber in der realen Welt Wert besitzen (als ob das verwundern würde) – und plötzlich organisieren sich die Goldfarmer und bilden eine Art internationaler Gewerkschaft. Unterhaltsam und lehrreich. Das Highlight zum Schluss: Der neue Suarez, Kill Decision, ist wirklich super. (Mehr Hintergrundinfos.)

Anfangs begeistert war ich von Haruki Murakamis Buch 1Q84. Alleine die Ausgabe, die anscheinend noch nicht überall verfügbar ist, ist absolut gelungen: Die Seitenzahlen sind immer auf unterschiedlicher Höhe und in der Hälfte der Fälle gespiegelt; und interessanterweise ist der Satzspiegel der jeweils rechten Seite genau um eine Zeile nach unten verschoben. (Warum, konnte ich nicht herausfinden, aber ich gehe davon aus, dass es Absicht ist.) Den ersten Teil habe ich mit Begeisterung gelesen. Nach ca. 500 Seiten wurde es dann erst langweilig, und auf Seite 900 habe ich beschlossen, die restlichen 200 Seiten nicht mehr zu lesen, so langweilig, schwerfällig und belanglos sind die Erläuterungen. Der Klappentext verspricht “A love story, a mystery, a fantasy, a novel of self-discovery, a dystopia to rival George Orwell’s” – Aber insgesamt ist die Dystopie, die ich gerne gesehen hätte fast nicht vorhanden, und zu viel Handlung verliert sich in mystischen Erklärungsansätzen. Schade, denn aus der Geschichte hätte man wirklich etwas machen können.

Gerade eben bin ich mit dem neuen Buch von Irvin D. Yalom fertig geworden: Das Spinoza-Problem bedient sich des Erfolgsrezeptes „historische Persönlichkeit psychoanalytisch in Romanform dargestellt“, ist aber in meinen Augen nicht so gelungen wie die beiden Vorgänger über Nietzsche und Schopenhauer. Sowohl Spinoza als auch Rosenberg sind interessante Charaktere und werden gut dargestellt. Insgesamt aber wirken die Dialoge zu durchkonstruiert, zu wenig echt. Vielleicht hätte es ein Briefwechselroman werden sollen.

posted 2012-10-06 tagged bookdump

Live und in Farbe in Hamburg

Lust darauf zu hören, was ich so zu sagen habe? Ich bin diesen Monat auf zwei Veranstaltungen in Hamburg zu Gast: Zunächst morgen bei einer Podiumsdiskussion im Kultwerk West zum Thema: Theater-Abos für IT-Spezialisten? Joachim Lux, Shahab Din und Julius Plenz über Kultur und Nerds und Lux’ Verständnis von Menschsein.

Und wie jedes Jahr bin ich in zwei Wochen auch auf dem Software Freedom Day vertreten, dies Mal mit einem Vortrag zu Bufferbloat und einem kleinen Einsteiger-Git-Workshop. Vielversprechenderweise gibt es dieses Jahr zwei Vortragstracks parallel in neuen Räumlichkeiten. Ich freu mich!

posted 2012-09-03 tagged life and linux

Nachlese

Verschiedene Texte, die ich heute las und für sehr lesenswert halte:

posted 2012-07-31 tagged linkdump, perl, oneliner, math and politik

Bookdump

Im Sudan hatte ich viel Zeit und Muße, und habe den absoluten Klassiker, die Illuminatus Trilogy von Rober Shea & Robert Anton Wilson gelesen – zum mittlerweile dritten Mal. Ich lese eigentlich Romane generell nur einmal, aber dieses Buch ist anders als jedes andere Fiktionswerk, dass ich sonst kenne: Wild springend in Raum, Zeit, Person und Erzählstil lässt es einen im einen Moment laut auflachen, im nächsten aber in angestrengtes Nachdenken verfallen. Ich zähle es nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. – In Cairo gab es nur wenig englische Literatur zu kaufen, daher musste ein Klassiker her: Charles Dickens' Oliver Twist ist eine ganz nette Geschichte, die ich aber nach zwei Dritteln dann auch gar nicht so zwingend zu Ende lesen musste und es daher gelassen habe.

Der neue 1000-Seiten-Wälzer von Neal Stephenson, REAMDE, ist, obwohl er spannend ist, leider mit 300 Seiten zu lang geraten. Die anfängliche Geschichte – das MMORPG T'Rain, das die Chinesen anzieht, könnte tatsächlich in ein paar Jahren Wirklichkeit werden – ist sehr gut gelungen, besonders die Charaktäre Dodge und Sokolov. Aber in etwa ab dem Abflug aus Manila und dem Moment, in dem Olivia Sokolov "rettet", ufert die Geschichte leider aus. Zu viele Unwahrscheinlichkeiten, zuviel doppelt erzählte Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln – der Showdown hätte gut in einer Stadt stattfinden können und nur 70 Seiten brauchen müssen. – Und: Ohne zu wissen, warum, fühlt sich das dauernde Wikipedia/Twitter/Facebook-Namedropping nach dem dritten Mal ziemlich gezwungen an und trägt nichts zur Geschichte bei. Die Interaktion mit Computern und das "Hacking" wird allerdings meist ziemlich realitätsnah dargestellt, was man bei Stephenson aber auch erwarten darf.

Einen weiteren Klassiker von Bret Easton Ellis habe ich mit American Psycho gelesen. Der Film ist natürlich sehr bekannt, aber das Buch gibt auch eine gute Vorlage ab: Eine kranke Welt, in der es normalerweise nur um Reservierungen in Edelrestaurants geht, ab und zu aber auch um Alkohol, Visitenkarten oder eben den Mord an einem Obdachlosen oder einer Hure.

En passant habe ich dann noch Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich von David Foster Wallace gelesen, was gar nicht so schrecklich amüsant war, aber doch nett. Wenn man gerne Menschen beobachtet und über ihre Intentionen und Hintergründe philosophiert, dann findet man hier einen Gleichgesinnten.

Insgesamt drei der kürzeren Bücher von Noam Chomsky habe ich gelesen. Die Piper-Ausgabe Profit over People / War against People scheint ein Klasiker unter den deutschen Chomsky-Übersetzungen dazustellen. Die beiden 1999 geschriebenen, eher kurzen und überraschend bissigen Bücher behandeln im Wesentlichen den Neoliberalismus, der "der erste und unmittelbare Feind wirklicher Demokratie ist ... [woran] sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern [wird]" (aus der Einleitung von McChesney). – Die großen Themen sind bekannt, besonders im Vordergrund stehen Nicaragua und Kuba. Das Gesamtbild sowie die beschriebenen Fälle finden sich großteils schon in Year 501: The Conquest Continues; doch hat Chomsky in diesen beiden Büchern einige wirklich schlagkräftige und unintentionell realitätsnahe Zitate zu seinem Steckenpferd erkoren und wird nicht müde, sie ständig zu wiederholen. Und auch noch ein Jahrzehnt später, besonders in Bezug auf die Finanzkrise, ist das Schlusswort absolut richtig:

Die sozioökonomische Ordnung, die jetzt von oben verfügt wird, ist das Ergebnis der Entscheidung von Menschen, die in von Menschen gesschaffenen Institutionen wirken. Die Entscheidungen können widerrufen, die Institutionen verändert werden. Sollte es sich als notwendig erweisen, können sie zerschlagen und ersetzt werden. Das haben aufrechte und mutige Menschen im Laufe der Geschichte immer wieder vollbracht. [S. 150, WaP]

Von wegen als: TINA (there is no alternative) – oder, wie man zu Neudeutsch sagt: alternativlos.

Making the Future ist eine Ende Februar 2012 erschiene Sammlung von in der New York Times erschienenen Artikeln aus dem Zeitraum April 2007–Oktober 2011. Das Buch eignet sich sicherlich gut als Einstieg in Chomskys Werk, denn die Artikel sind überschaubar, in sich abgeschlossen und gut verständlich. Für mich persönlich war es noch einmal interessant, markante Ereignisse und Entscheidungen dieser Zeit (z.B. die Ernennung Obamas zum Präsidenten, sein Friedensnobelpreis; die Gaza-Flottilla; WikiLeaks' CableGate; Somalische Piraten; die Finanzkrise; den Arab Spring) zu rekapitulieren und auch zu sehen, wie Tatsachen, die ich soweit ich mich erinnere erst später erfahren habe, schon zu den jeweiligen Zeitpunkten absehbar waren. – Teilweise wiederholen sich ganze Absätze oder Formulierungsbausteine. Der folgende Absatz aus Chomskys am Ende des Buches abgedruckten Occupy Boston-Rede vom Ende Oktober 2011 lässt den Titel des Buches gerechtfertigt erscheinen.

Karl Marx famously said that the task is not just to understand the world but to change it. A variant to keep in mind is that if you want to change the world you'd better try to understand it. That doesn't mean just listening to a talk or reading a book, though that's helpful sometimes. You learn from participating. You learn from others. You learn from all the people you're trying to organize. We all have to gain the understanding and the experience to formulate and implement ideas and plans as to how to move forward.

Jetzt lese ich wieder ein bisschen an meiner Dostojewski-Gesamtausgabe, momentan: Der Idiot.

posted 2012-05-30 tagged bookdump

Mathematische Gedanken austauschen

Wenn man mal schnell einen mathematischen Gedankengang aufschreiben und weitergeben will, dafür aber nicht gleich ein neues LaTeX-Dokument kreieren will, dann gibt es unter mathb.in eine einfache Möglichkeit dies zu tun: ein Pastebin, das LaTeX-Rendering anbietet. Das Rendern passiert dort mit MathJax, einem JavaScript, das dies adäquat im Browser umsetzen kann. (Alternativ kann man kürzere Formeln auch bei CodeCogs als PNG umsetzen lassen; Fließtext und vernünftiger Umbruch ist da aber schwierig hinzubekommen.)

Das sieht dann so aus:

Wenn man in Echtzeit mit jemandem Mathematik treiben will, gibt es sogar MathIM, einen Chat mit LaTeX-Unterstützung. Schnell, ohne Anmeldung, komfortabel.

posted 2012-05-26 tagged life and math

Reisebericht Sudan

Die letzten beiden Wochen habe ich nichts gebloggt, weil ich an einem kleinen Projekt geschrieben habe, das nun endlich fertig ist: Mein Reisebericht Von Kairo nach Khartoum über die Sudan-Reise.

Der Bericht ist eine hoffentlich amüsante und interessante Zusammenstellung von Erlebnissen; ich habe mich bemüht, auch Leuten, die noch nicht in Afrika gereist sind, zu vermitteln, wie das Leben dort abläuft.

Falls ihr's lesen wollt, plant ein bisschen Zeit ein: Es sind über 150 Fotos und ca. 40 DIN A4-Seiten Text.

posted 2012-04-30 tagged egypt, sudan and life

Bookdump

Cover of Kahneman's »Thinking, fast and slow« Ein Buch, das man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte, ist Thinking, fast and slow von Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Es ist sicherlich kein sehr mitreißendes Buch, aber auch nicht allzu trocken oder komplex. Thema des Buches sind die zwei Akteure System I und System II – die Intuition, die zwar schnell, dafür aber ungenau arbeitet und leicht zu täuschen ist, und das, was wir "angestrengtes Nachdenken" nennen.

Im Wesentlichen geht es darum, was für Mechnismen gewissen für uns typischen Denkmustern zugrund liegen, wie wir sie analysieren können, und was für Fehlinformationen sie uns glaubhaft machen können. Als wissenschaftliche Grundlage dienen dafür Gedankenexperimente, die großteils auch an Gruppen von Probanden getestet werden. (Jeweils gegen monetäre Entschädigung, häufig ist die Höhe der Entschädigung auch Grundlage des Experiments; wer finanziert sowas eigentlich? Und warum mache ich nie bei solchen Studien mit, wo man durch Beantworten einiger weniger Fragen ein paar Dutzend Euro erhalten kann? –)

Kahneman erklärt anhand einiger simpler kognitiver Illusionen, denen wir tagtäglich erliegen und die uns als scheinbar rationale Wesen objektiv völlig irrationale Handlungen unternehmen lassen, wie wir diese Illusionen a) erkennen können und teilweise auch b) dagegen vorgehen können.

Das Buch hat übrigens einen guten Index, so dass ich auch die äußerst passende Zusammenfassung aus dem Nachwort wiederfinden konnte:

The way to block errors that originate in System 1 [intuition] is simple in principle: recognize the signs that you are in a cognitive minefield, slow down, and ask for reinforcement from System 2 [careful thinking, as in: doing the math, considering statistics]. This is how you will proceed when you next encounder the Müller-Lyer illusion. When you see lines with fins pointing in different directions, you will recognize the situation as one in which you should not trust your impression of length. Unfortunately, this sensible procedure is least likely to be applied when it is needed most. We would all like to have a warning bell that rings loudly whenever we are about to make a serious error, but no such bell is available, and cognitive illusions are generally more difficult to recognize than perceptual illusions. (p. 417)

Im Nachwort räumt Kahneman übrigens mal eben so mit der Chicago School auf, die ja wesentlich auf der Illusion eines "rationalen Menschen" aufbaut: The economists of the Chicago school do not face that problem [whether to protect people from themselves], because rational agents do not make mistakes. For adherents of this school, freedom is free of charge. (p. 412) – –

Etwas leichtere Kost war Philip Roths Nemesis. Im Sommer 1944 geht es ums Überleben: Für die einen, weil sie in den Krieg ziehen müssen, für die anderen, weil sie zu jung sind, und sich zu Hause mit einer Polioepidemie konfrontiert sehen. Auch wenn der Protagonist diesmal nicht krebskrank in der Midlife-Crisis steckt, gelingt es Roth doch leider nicht, mal einen Roman zu schreiben, in dem es nicht um Tod, Verfall und Bedauern über das eigene Leben geht. Nichts also, womit ich mich identifizieren kann. – Viel eher kam ich dagegen mit Charles Bukowskis autobiographischem Character Chinaski in Das Liebesleben der Hyäne zurecht: Ein herrliches Buch, das ich an einem Abend gelesen habe. Hoffentlich bin ich mit 50 auch noch so gut drauf!

Mal wieder zwei nicht zu Ende gelesene Bücher, die mich nicht vom Hocker gehauen haben: Thomas Pakenham: Der kauernde Löwe, eine monumentale, aber doch etwas schwerfällige Biographie der Eroberung und Kolonialisierung der Mitte des afrikanischen Kontinents (also im Wesentlichen auch die Suche nach der Quelle des Nil) – Anne Michaels: Wintergewölbe, ein Roman über den Ab- und Wiederaufbau des Abu-Simbel-Tempels. Die Abschnitte über die forcierte Umsiedlung der Nubier (und das Pendant in Kanada) ist spannend und ergreifend, aber alles pseudo-bedeutungsschwere dazwischen langweilt nach den ersten drei Seiten, leider.

posted 2012-02-22 tagged bookdump

Bundespräsident

Ich vermeide es größtenteils, über Politik zu schreiben. Das liegt im wesentlichen daran, dass es einfach sehr viele Leute gibt, deren Tagesgeschäft das ist und die folglich darin um einige Größenordnungen besser sind als ich. Außerdem ist es so, dass mich die Beschäftigung mit Politik fast ausnahmslos wütend macht: Täglicher Politik-Nachrichten-Konsum ist bestens dazu geeignet, den Glauben an Fortschritt in unserer Gesellschaft zunichte zu machen.

Aktueller Anlass ist natürlich die Einigung vierer von fünf im Bundestag vertretenen Parteien auf Gauck als neuen Bundespräsidenten. Man bemüht sich dort noch nicht einmal, diesem Gauck irgendwelche Qualitäten, die ihn als Bundespräsidenten auszeichnen würden, zuzusprechen: Merkel sagte, mit Gauck verbinde sie vor allem die gemeinsame Vergangenheit in der DDR. Für Gauck habe sich der Weg von der Kirche in die Politik von fast alleine ergeben. Ihn zeichne aus, ein "wahrer Demokratielehrer" geworden zu sein. – Ja, Demokratielehrer schön und gut. Aber Aufgabe des Bundespräsidenten sollte es ja nicht sein, Demokratie zu lehren. Seine Aufgabe sollte es vor allem auch sein, den Fokus auf Probleme im Land und im politischen Diskurs zu lenken. Das kann man von Gauck wohl eher weniger erwarten.

Im wesentlichen scheint ein schlagendes Argument zu sein, dass sich viele Deutschen Gauck als Präsidenten wünschen. Das klingt auch vernünftig, bis man die Hintergründe recherchiert. Kaliber "Guttenberg ist so nett", sag ich nur.

Ein Pastor soll Präsident in Deutschland werden. – Pastoren: Das sind diejenigen, die professionell, das heißt um ihr täglich Brot zu verdienen, Tag für Tag, Woche für Woche Unwahrheiten predigen. Das sind diejenigen Menschen, die die evangelische Kirche repräsentieren – und somit im Grunde ihres Wesens gegen Fortschritt und Selbstverantwortlichkeit sind. (Man darf sich wohlgemerkt nicht von der Tatsache blenden lassen, dass auch Gutes aus diesen Kreisen kommt!) – – Wenn wir eines in diesem Land nicht gebrauchen können, dann einen zahnlosen, anti-sozialen, christlichen Bundespräsidenten.

Auch wenn man Fefes Ratschläge vielleicht nicht immer erst nehmen sollte: Die Nominierung Georg Schramms wäre in der Tat ein Geniestreich der Piraten – gewesen. Ich habe heute zwei Stunden lang alte TV-Mitschnitte von Schramm geschaut – die nota bene alle in öffentlich-rechtlichen Kanälen liefen, das hat mich doch positiv überrascht! – und da ist wirklich mal ein Mann, der mit der Faust auf den Tisch haut, ein Loblied auf den Zorn singt und wirklicht etwas zu sagen hat.

Update: Sag ich doch, andere können das besser. So zum Beispiel Deniz Yücel in seinem Replik auf die Kritik Lobos, der dessen Kolumne kritisierte: Der Holocaust, meint er [Gauck], ist eine Ersatzreligion der Gottlosen. Damit stellt er sich in die Tradition von Leuten, die ein Leben und Denken ohne Gott für unvorstellbar halten und den Nationalsozialismus gerne für ein Produkt der Gottlosigkeit halten, anstatt darin auch das in Ideologie wie Praxis modernisierte und radikalisierte Ergebnis des christlichen Antijudaismus zu erkennen.

posted 2012-02-19 tagged politik

Momente im Winter

In manchen Momenten hasse ich das Leben hier: Habe gerade eben den Zug in Dresden verpasst, und der nächste fährt erst in zwei Stunden. Der Gutschein der Deutschen Bahn, den ich vor ein paar Wochen per Post bekam und den ich nun einzulösen gedachte, ist nur für Fahrkarten gültig, deren Wert fünfzig Euro übersteigt (wohlgemerkt nach 50% BC-Rabatt) – hat man ja auch eher seltener, wenn's keine ganz große Reise ist.

Und so sitze ich am Hauptbahnhof bei frostigen Graden. Na immerhin macht es sich bezahlt, dass ich UMTS eingerichtet habe – das funktioniert nämlich.

Wäre doch bloß Sommer, dann wär's sicher ganz angenehm hier.

posted 2012-02-13 tagged life

Fragen

Gute Vortragende – seien es Dozenten, Professoren oder einfach nur Leute, die etwas referieren oder präsentieren – zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie mit den Zuhörern interagieren, an den richtigen Stellen Pausen machen und weiterführende Fragen stellen, statt monoton zu reden. Man kann dieses "Fragen stellen" aber in zweierlei Hinsicht falsch bzw. kontraproduktiv einsetzen.

Zunächst sind Suggestivfragen nur teilweise angebracht. Fragen wie "Fällt Ihnen hieran etwas auf?", die bewirken sollen, dass das Publikum die Situation kritisch unter die Lupe nimmt und eventuelle Ungereimtheiten aufspürt, sind gut. Aber rhetorisch anmutende Fragen wie "Alles verstanden?", bei denen spürbar wird, dass ein Ja erwartet wird, sind meist nicht produktiv: Die wenigsten werden sich melden, falls sie etwas nicht verstanden haben, und der Vortragende wiegt sich in falscher Sicherheit. Eine gute Alternative ist: "Gibt es Fragen bis hierher?", und eine anschließende kleine Besinnungspause.

In meinen Augen wirklich desaströs ist eine zu lose, offene, aber zugleich extrem erwartungsvolle Fragetaktik. "Wie können wir X erreichen?", ohne dass das Auditorium auch nur ansatzweise weiß, wie das Problem angegangen werden kann. Dann macht sich Verwirrung breit, und spätere Fragen, die möglicherweise sehr einfach zu beantworten sind, werden möglicherweise gar nicht oder zumindest nur sehr zögerlich beantwortet, weil das Publikum meint, die Fragestellung missverstanden zu haben, genau weil die Lösung auf der Hand liegt. – Das lähmt die Interaktion nachhaltig.

Zwei solcher Fragen, die eine kaum zu beantworten, die nachfolgende trivial, seien hier als Beispiel angeführt:

– Was haben wir nun für ein Problem bei der kanonischen Wahl der Basis des Tangentialraumes? (Gesuchte Antwort: Weil M nicht in einem umgebenden Raum betrachtet werden kann, muss TpM mit Hilfe von Äquivalenzklassen der Differentiale von Kurven, die in M durch p verlaufen, untersucht werden.)

– Welche Struktur hat TpM dann? (Gesuchte Antwort: Vektorraumstruktur.)

posted 2012-02-02 tagged thoughts

Pizzabäcker

In letzter Zeit mache ich mehrmals pro Woche selbst Pizza. Das schmeckt nicht nur besser und ist viel billiger als Fertigpizza, es macht auch einfach Spaß und hat etwas meditatives.

Ich mache einmal die Woche Teig aus einem Würfel Hefe, ca. 700g Mehl und 0.35L Wasser – der reicht für drei große Pizzen. (Den Teig eine Stunde gehen lassen, ab dann aber im Kühlschrank abgedeckt aufbewahren!)

Lecker!

posted 2012-02-01 tagged life and food