Ein Buch, das man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte, ist
Thinking, fast and slow von Nobelpreisträger Daniel Kahneman.
Es ist sicherlich kein sehr mitreißendes Buch, aber auch nicht allzu
trocken oder komplex. Thema des Buches sind die zwei Akteure System
I und System II – die Intuition, die zwar schnell, dafür aber
ungenau arbeitet und leicht zu täuschen ist, und das, was wir
"angestrengtes Nachdenken" nennen.
Im Wesentlichen geht es darum, was für Mechnismen gewissen für uns typischen Denkmustern zugrund liegen, wie wir sie analysieren können, und was für Fehlinformationen sie uns glaubhaft machen können. Als wissenschaftliche Grundlage dienen dafür Gedankenexperimente, die großteils auch an Gruppen von Probanden getestet werden. (Jeweils gegen monetäre Entschädigung, häufig ist die Höhe der Entschädigung auch Grundlage des Experiments; wer finanziert sowas eigentlich? Und warum mache ich nie bei solchen Studien mit, wo man durch Beantworten einiger weniger Fragen ein paar Dutzend Euro erhalten kann? –)
Kahneman erklärt anhand einiger simpler kognitiver Illusionen, denen wir tagtäglich erliegen und die uns als scheinbar rationale Wesen objektiv völlig irrationale Handlungen unternehmen lassen, wie wir diese Illusionen a) erkennen können und teilweise auch b) dagegen vorgehen können.
Das Buch hat übrigens einen guten Index, so dass ich auch die äußerst passende Zusammenfassung aus dem Nachwort wiederfinden konnte:
The way to block errors that originate in System 1 [intuition] is simple in principle: recognize the signs that you are in a cognitive minefield, slow down, and ask for reinforcement from System 2 [careful thinking, as in: doing the math, considering statistics]. This is how you will proceed when you next encounder the Müller-Lyer illusion. When you see lines with fins pointing in different directions, you will recognize the situation as one in which you should not trust your impression of length. Unfortunately, this sensible procedure is least likely to be applied when it is needed most. We would all like to have a warning bell that rings loudly whenever we are about to make a serious error, but no such bell is available, and cognitive illusions are generally more difficult to recognize than perceptual illusions. (p. 417)
Im Nachwort räumt Kahneman übrigens mal eben so mit der Chicago
School
auf, die ja wesentlich auf der Illusion eines "rationalen Menschen"
aufbaut: The economists of the Chicago school do not face
that problem [whether to protect people from themselves], because
rational agents do not make mistakes. For adherents of this school,
freedom is free of charge.
(p. 412) – –
Etwas leichtere Kost war Philip Roths Nemesis. Im Sommer 1944 geht es ums Überleben: Für die einen, weil sie in den Krieg ziehen müssen, für die anderen, weil sie zu jung sind, und sich zu Hause mit einer Polioepidemie konfrontiert sehen. Auch wenn der Protagonist diesmal nicht krebskrank in der Midlife-Crisis steckt, gelingt es Roth doch leider nicht, mal einen Roman zu schreiben, in dem es nicht um Tod, Verfall und Bedauern über das eigene Leben geht. Nichts also, womit ich mich identifizieren kann. – Viel eher kam ich dagegen mit Charles Bukowskis autobiographischem Character Chinaski in Das Liebesleben der Hyäne zurecht: Ein herrliches Buch, das ich an einem Abend gelesen habe. Hoffentlich bin ich mit 50 auch noch so gut drauf!
Mal wieder zwei nicht zu Ende gelesene Bücher, die mich nicht vom Hocker gehauen haben: Thomas Pakenham: Der kauernde Löwe, eine monumentale, aber doch etwas schwerfällige Biographie der Eroberung und Kolonialisierung der Mitte des afrikanischen Kontinents (also im Wesentlichen auch die Suche nach der Quelle des Nil) – Anne Michaels: Wintergewölbe, ein Roman über den Ab- und Wiederaufbau des Abu-Simbel-Tempels. Die Abschnitte über die forcierte Umsiedlung der Nubier (und das Pendant in Kanada) ist spannend und ergreifend, aber alles pseudo-bedeutungsschwere dazwischen langweilt nach den ersten drei Seiten, leider.
Ich vermeide es größtenteils, über Politik zu schreiben. Das liegt im wesentlichen daran, dass es einfach sehr viele Leute gibt, deren Tagesgeschäft das ist und die folglich darin um einige Größenordnungen besser sind als ich. Außerdem ist es so, dass mich die Beschäftigung mit Politik fast ausnahmslos wütend macht: Täglicher Politik-Nachrichten-Konsum ist bestens dazu geeignet, den Glauben an Fortschritt in unserer Gesellschaft zunichte zu machen.
Aktueller Anlass ist natürlich die Einigung vierer von fünf im
Bundestag vertretenen Parteien auf Gauck als neuen
Bundespräsidenten.
Man bemüht sich dort noch nicht einmal, diesem Gauck irgendwelche
Qualitäten, die ihn als Bundespräsidenten auszeichnen würden,
zuzusprechen: Merkel sagte, mit Gauck verbinde sie vor allem die
gemeinsame Vergangenheit in der DDR. Für Gauck habe sich der Weg von
der Kirche in die Politik von fast alleine ergeben. Ihn zeichne aus,
ein "wahrer Demokratielehrer" geworden zu sein.
– Ja,
Demokratielehrer schön und gut. Aber Aufgabe des Bundespräsidenten
sollte es ja nicht sein, Demokratie zu lehren. Seine Aufgabe sollte es
vor allem auch sein, den Fokus auf Probleme im Land und im politischen
Diskurs zu lenken. Das kann man von Gauck wohl eher weniger erwarten.
Im wesentlichen scheint ein schlagendes Argument zu sein, dass sich viele Deutschen Gauck als Präsidenten wünschen. Das klingt auch vernünftig, bis man die Hintergründe recherchiert. Kaliber "Guttenberg ist so nett", sag ich nur.
Ein Pastor soll Präsident in Deutschland werden. – Pastoren: Das sind diejenigen, die professionell, das heißt um ihr täglich Brot zu verdienen, Tag für Tag, Woche für Woche Unwahrheiten predigen. Das sind diejenigen Menschen, die die evangelische Kirche repräsentieren – und somit im Grunde ihres Wesens gegen Fortschritt und Selbstverantwortlichkeit sind. (Man darf sich wohlgemerkt nicht von der Tatsache blenden lassen, dass auch Gutes aus diesen Kreisen kommt!) – – Wenn wir eines in diesem Land nicht gebrauchen können, dann einen zahnlosen, anti-sozialen, christlichen Bundespräsidenten.
Auch wenn man Fefes Ratschläge vielleicht nicht immer erst nehmen sollte: Die Nominierung Georg Schramms wäre in der Tat ein Geniestreich der Piraten – gewesen. Ich habe heute zwei Stunden lang alte TV-Mitschnitte von Schramm geschaut – die nota bene alle in öffentlich-rechtlichen Kanälen liefen, das hat mich doch positiv überrascht! – und da ist wirklich mal ein Mann, der mit der Faust auf den Tisch haut, ein Loblied auf den Zorn singt und wirklicht etwas zu sagen hat.
Update: Sag ich doch, andere können das besser. So zum Beispiel Deniz Yücel
in seinem Replik auf die Kritik
Lobos, der dessen Kolumne kritisierte:
Der Holocaust, meint er [Gauck], ist eine Ersatzreligion der Gottlosen. Damit stellt
er sich in die Tradition von Leuten, die ein Leben und Denken ohne Gott für
unvorstellbar halten und den Nationalsozialismus gerne für ein Produkt der
Gottlosigkeit halten, anstatt darin auch das in Ideologie wie Praxis
modernisierte und radikalisierte Ergebnis des christlichen Antijudaismus zu
erkennen.
In manchen Momenten hasse ich das Leben hier: Habe gerade eben den Zug in Dresden verpasst, und der nächste fährt erst in zwei Stunden. Der Gutschein der Deutschen Bahn, den ich vor ein paar Wochen per Post bekam und den ich nun einzulösen gedachte, ist nur für Fahrkarten gültig, deren Wert fünfzig Euro übersteigt (wohlgemerkt nach 50% BC-Rabatt) – hat man ja auch eher seltener, wenn's keine ganz große Reise ist.
Und so sitze ich am Hauptbahnhof bei frostigen Graden. Na immerhin macht es sich bezahlt, dass ich UMTS eingerichtet habe – das funktioniert nämlich.
Wäre doch bloß Sommer, dann wär's sicher ganz angenehm hier.
Gute Vortragende – seien es Dozenten, Professoren oder einfach nur Leute, die etwas referieren oder präsentieren – zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie mit den Zuhörern interagieren, an den richtigen Stellen Pausen machen und weiterführende Fragen stellen, statt monoton zu reden. Man kann dieses "Fragen stellen" aber in zweierlei Hinsicht falsch bzw. kontraproduktiv einsetzen.
Zunächst sind Suggestivfragen nur teilweise angebracht. Fragen wie "Fällt Ihnen hieran etwas auf?", die bewirken sollen, dass das Publikum die Situation kritisch unter die Lupe nimmt und eventuelle Ungereimtheiten aufspürt, sind gut. Aber rhetorisch anmutende Fragen wie "Alles verstanden?", bei denen spürbar wird, dass ein Ja erwartet wird, sind meist nicht produktiv: Die wenigsten werden sich melden, falls sie etwas nicht verstanden haben, und der Vortragende wiegt sich in falscher Sicherheit. Eine gute Alternative ist: "Gibt es Fragen bis hierher?", und eine anschließende kleine Besinnungspause.
In meinen Augen wirklich desaströs ist eine zu lose, offene, aber zugleich extrem erwartungsvolle Fragetaktik. "Wie können wir X erreichen?", ohne dass das Auditorium auch nur ansatzweise weiß, wie das Problem angegangen werden kann. Dann macht sich Verwirrung breit, und spätere Fragen, die möglicherweise sehr einfach zu beantworten sind, werden möglicherweise gar nicht oder zumindest nur sehr zögerlich beantwortet, weil das Publikum meint, die Fragestellung missverstanden zu haben, genau weil die Lösung auf der Hand liegt. – Das lähmt die Interaktion nachhaltig.
Zwei solcher Fragen, die eine kaum zu beantworten, die nachfolgende trivial, seien hier als Beispiel angeführt:
– Was haben wir nun für ein Problem bei der kanonischen Wahl der Basis des Tangentialraumes? (Gesuchte Antwort: Weil M nicht in einem umgebenden Raum betrachtet werden kann, muss TpM mit Hilfe von Äquivalenzklassen der Differentiale von Kurven, die in M durch p verlaufen, untersucht werden.)
– Welche Struktur hat TpM dann? (Gesuchte Antwort: Vektorraumstruktur.)
In letzter Zeit mache ich mehrmals pro Woche selbst Pizza. Das schmeckt nicht nur besser und ist viel billiger als Fertigpizza, es macht auch einfach Spaß und hat etwas meditatives.
Ich mache einmal die Woche Teig aus einem Würfel Hefe, ca. 700g Mehl und 0.35L Wasser – der reicht für drei große Pizzen. (Den Teig eine Stunde gehen lassen, ab dann aber im Kühlschrank abgedeckt aufbewahren!)
Lecker!
Ich habe eben versucht, meinen altes Notebook auf Ebay einzustellen.
Schließlich und endlich hat es dann auch
geklappt.
Nicht, dass das einfach war: Anscheinend kann man den Ebay Richt Text
Editor nicht mit Firefox benutzen. Zumindest ich kann das nicht.
Deswegen konnte ich keine Artikelbeschreibung einstellen.
Mangels Alternativen habe ich dann Windows XP in einer KVM gebootet,
und das Angebot mit dem Internet Explorer erstellt. Der funktioniert
aber auch nur teilweise: Das Tutorial über die neue Art und Weise, wie
eBay Geld überträgt, musste ich durch"klicken", indem ich oben in der
URL die pageNr-Parameter hochgezählt habe. Die "Weiter"-Buttons
waren leider nicht sichtbar, außer auf der letzten Seite.
Ich habe lange nicht mehr eine so inkompetent aufgebaute und unübersichtliche Seite wie eBay benutzt. Ein pures Wunder, wie das Leute tagtäglich benutzen können.
Merken die Leute nicht, dass es benutzbare und unbenutzbare Webseiten gibt? Gibt eBay kein Geld für Usability-Tester aus?! – Unbegreiflich für mich.
Gerade mal zweistellige View-Zahlen? Das wundert mich. – Ich embedde das mal direkt, vielleicht hilft das...
Was so liegen geblieben ist:
Bei mir läuft die Königsmische auf Repeat.
Ich habe unter der Woche Bernd Ulrichs Streitschrift Wofür Deutschland Krieg
führen darf. Und muss. vom Oktober 2011 gelesen. Das Buch war für mich unter
mehreren Aspekten interessant. Einerseits beleuchtet es die
Hintergründe der Kriege, die ich damals als Kind noch nicht
mitbekommen habe – den Namen UÇK kannte ich zwar aus den
Nachrichten, wusste aber damit nichts zu verbinden – und
bietet so eine gute Perspektive auf die jüngere Deutsche Geschichte,
gerade auch in Hinblick auf die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf
die geopolitische Sicherheitslage Europas und der Welt, sowie das
politische Selbstbewusstsein Deutschlands. Andererseits meldet sich
hier aus der Generation meiner Eltern ein Kriegsdienstverweigerer und
ehemaliger Mitarbeiter des Fraktionsvorstandes der Grünen im Deutschen
Bundestag zu Wort, der mittlerweile stellvertretender Chefredaktuer
und Leiter des Politik-Ressorts der Zeit ist.
Das ganze ist flüssig zu lesen, aber natürlich kontrovers – und das soll es ja auch sein. Zunächst muss gesagt werden, dass das Buch eine Reihe interessanter Einsichten enthält, die auch sehr treffend ausformuliert sind. Über die Tatsache, dass sich in der deutschen Bevölkerung nur sehr schwierig eine stabile Mehrheit für einen Einsatz der Bundeswehr finden lässt, bemerkt er ganz richtig (S. 53):
Hinzu kommt ein ganz profaner Umstand. In Deutschland finden unablässig irgendwelche Wahlen statt, weshalb eine kriegführende Bundesregierung einem andauernden Plebiszit ausgesetzt ist, das sie nur überstehen kann, solange andere als die militärischen Fragen wahlentscheidend sind.
Und weiter:
Die Regierung wird infolgedessen dazu tendieren, die Fragen von Krieg und Frieden möglichst nicht zu thematisieren, ja, ihre Thematisierung aktiv zu verhindern.
Eine weitere interessante Beobachtung stellt Ulrich über die "spezielle Verbindung" zwischen Deutschland und Israel an (S. 73):
In der wachsenden Distanz zu Israel und in die zunehmende Skepsis gegen Militäreinsätze hinein bringt nun die Merkel-Doktrin Deutschland näher an einen Militäreinsatz für Israel. Hier liegt eine enorme latente Spannung.
Schaut man auf das Inhaltsverzeichnis, so kann man das Buch in einige wesentliche Thesen zusammenfassen:
Meine Generation, also die zur Zeit des Niedergangs der DDR oder nach dem Mauerfall Geborenen, sind in meinen Augen sehr pazifistisch eingestellt, und das ist gut so. Rundheraus würde ich sagen: Krieg ist immer falsch.
Leider stimmt das nicht. Ja, wenn man an all die Kriege denkt, die Amerika so geführt hat im Südosten Asiens, oder wie die Kriege in Afghanistan und dem Irak laufen: das ist abgrundtief falsch. – Andererseits muss man sich immer wieder den Ruandischen Genozid vor Augen halten, und die damalige Passivität der UN. Dadurch, dass westliche Mächte nicht eingegriffen haben, obwohl sie ziemlich gut wussten, dass ein riesiger Völkermord passierte, das ist unverantwortlich. – Wenn man sagt "Krieg ist in keinem Fall tragbar", dann öffnet man dem Kulturrelativismus Tür und Tor. Profan ausgedrückt, sagt man: "Lass die Anderen doch mit sich selbst klarkommen. Wenn sie sich abschlachten, dann ist das nicht mein Problem, und nicht einmal notwendigerweise falsch." – eine solche Einstellung ist sehr, sehr gefährlich. Von daher ist für den Pazifisten die Fragestellung, ob es überhaupt legitime Kriege gibt, eine sehr viel schwierigere, als sie auf den ersten Blick scheint.
Im Nachhinein kann man möglicherweise sagen, dass der Einsatz der Bundeswehr als Teil des NATO-Bündnisses in Libyen gerechtfertigt gewesen wäre. Der Einsatz ist mittlerweile beendet, und der Aufbau des Landes kann beginnen. Wenn ein Präsident die Luftwaffe gegen das eigene Volk einsetzt, dann sollte es schwer sein, wegzuschauen. – Natürlich muss man sich überlegen, wer denn die Machtposition Gaddafis über Jahrzehnte gefestigt hat. Aber man kann und darf die Frage nach militärischer Intervention nicht mit einer antiimperialistischen Floskel à la "hätten wir nicht X gemacht ... wäre nicht Y passiert" abtun. Dort sterben Leute.
Ich tue mich auch schwer in der Frage, zumal ich von einer anderen Prämisse ausgehe, was die Situation zugegebenermaßen leichter macht: Ich empfinde nichts für das Staatenkonstrukt Deutschland. Deutsche Kultur, insbesondere die deutsche Sprache und Literatur, sowie klassische Musik bedeutet mir etwas – das geht aber über Staatengrenzen hinaus. Der Großteil von Deutschland – das heißt, alles außerhalb von Hamburg und Berlin – bedeutet mir nichts, ganz einfach nichts. Ich habe da schließlich nie gelebt. Aber ohne die Grundlage von konstruierten Staaten, die gemeinsam agieren, entfällt natürlich die Notwendigkeit zur Verantwortung gegenüber anderen Staaten – es bleibt die Verantwortung von Menschen gegenüber anderen Menschen, und dort sind die Menschenrechte ein ziemlich allgemein akzeptierter Konsens.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch einige spannende Einsichten, auch in das Wirken von Presse und Politik, bereit hält. Und es ist beeindruckend zu sehen, wie ein ehemaliger überzeugter pazifistischer Aktivist heute Kriege zu legitimieren versucht.
Ich habe erstaunlich wenig gelesen die letzten paar Monate. Außerdem habe ich zwei Bücher nicht zu Ende gelesen, was sonst gar nicht meine Art ist.
Die unfertigen Bücher: David Foster Wallace: The Pale King, war mir viel zu unklar und querbeet. Man muss sich vorstellen, dass jemand das Thema "Boredom" am Beispiel einer merkwürdigen Ansammlung von Steuereintreibern im Illinois der '70er Jahre veranschaulichen will. Und das Buch ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Sprache, unglaublich schwer lesbar. Typisch DFW, nur nicht mitreißend. (Konstant lustig ist nur die Situationen, in die "David Wallace" aufgrund der Namensverwechslung gerät.) – Dann habe ich mir auf einer Zugfahrt große Teile von Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita gegönnt. Aber über der Hälfte, und als sie Besen reitend noch immer Unsinn reden, habe ich das Buch wieder weg gelegt. Ich habe von dem Autor mehr erwartet, nachdem mir mehrere Leute von ihm vorgeschwärmt hatten.
Einen weiteren Roman habe ich von Bret Easton Ellis gelesen: Less than Zero. Der war wesentlich besser als "The Rules of Attraction": Einfach mehr, und bessere Dekadenz. – Auch von Irvin D. Yalom habe ich ein zweites Buch gelesen, nachdem mir "Und Nietzsche weinte" sehr, sehr gut gefallen hatte. (Der Film ist keinesfalls zu empfehlen.) Die Schopenhauer-Kur ist nicht historisch, dafür mit allerlei historischen Notizen gespickt. Ein schöner Roman.
Peter Seibel: Coders at Work ist ein schönes Buch: In 20 Interviews stellen sich Programmiergrößen wie Jamie Zawinsky und auch Donald Knuth einem ganzen Katalog von Fragen: Debuggen via Single-Stepping, oder doch lieber Quick'n'dirty-Print-Statements? Editor oder IDE? Was war der härteste Bug, den sie je behoben haben? – Alles in allem der wunderbare Beweis dafür, dass diese Leute auch nur Menschen sind, außerdem gibt es Gelegenheit, über das eigene Codeschreiben zu reflektieren, und eventuell gewisse Fallstricke bei der Projektplanung bei Anderen wie bei sich selbst aufzudecken.
(Ich habe dieses Buch als Anlass genommen, mir The Art of Computer Programming, Band 1, zu kaufen. Ob sie dieses Buch gelesen haben wurden nämlich auch fast alle gefragt. Durch den "harten, mathematischen Teil" bin ich schon gut durchgekommen, aber mit dem MIX-Teil habe ich erst ein bisschen begonnen.)
David Foster Wallace: Everything and More ist grandios. Es ist der erste Nicht-Roman, den ich von DFW gelesen habe. Im wesentlichen geht es um die Eigenschaften der reellen Zahlen, die einen Mathematikstudenten im ersten Semester in Analysis I tage-, wenn nicht sogar wochenlang beschäftigen: Wie kann es sein, dass es unendlich viele rationale Zahlen sind, sie aber 0% der reellen Zahlen ausmachen? Wie kann es verschiedene "Größen" von Unendlichkeit geben? – Das ganze bettet DFW liebevoll in einen historischen Kontext und mathematisch nicht ganz präzise, aber doch wunderbar verständliche, selbst erfundene Notation ein. Schon der Untertitel deutet einiges an Sprachwitz an: A Compact History of Infinity. Für Mathematikinteressierte definitiv zu empfehlen!
Seit dem 1. Januar wird das Kindergeld unabhängig vom Einkommen des Kindes gewährt. Damit fällt die bisherige Grenze von 8.004 Euro pro Jahr weg.
Ich habe ja keine Ahnung von Jura und den Techniken von Juristen. Aber es sieht mir so aus, als ob da sehr, sehr wenig automatisiert wurde bisher. Als naiver, und (im positiven Sinne) fauler, technisch versierter Mensch, stelle ich mir das so vor:
Aber: denkste! Nach zehn Minuten Recherche bin ich in etwa so weit: Das "Steuervereinfachungsgesetz 2011" wurde am 19. Juni 2011 beschlossen, und im BGBl. I S. 2131 (Nr. 55) im Artikel 12 bekannt gegeben. (Das Original im PDF gibt es hier von bgbl.de.) Das liest sich so:
2. § 2 wird wie folgt geändert:
a) In Absatz 2 werden die Sätze 2 bis 10 durch die folgenden Sätze ersetzt:
„Nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung und eines Erststudiums wird ein Kind in den Fällen des Satzes 1 Nummer 2 nur berücksichtigt, wenn das Kind keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Eine Erwerbstätigkeit mit bis zu 20 Stunden regelmäßiger wöchentlicher Arbeitszeit, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis im Sinne der §§ 8 und 8a des Vierten Buches Sozialgesetzbuch sind unschädlich."
Ahh, gut, denke ich mir – und was stand denn ehemals in § 2, Abs. 2, Satz 2–10 BKGG? Jetzt steht da nämlich natürlich nur die neue Fassung!
Immerhin kann buzer.de schonmal alle Gesetze, die ein anderes Gesetz ändern, auflisten, also eine Art Versionshistorie: Änderungen am BKGG.
Leider kann man aber nicht einfach die vorherige Version via der Wayback Machine aufrufen, denn die robots.txt von bauzer.de liest sich u.a. so:
User-agent: ia_archiver
Disallow: /
Großartig. Justlaw.de haben genau den gleichen Eintrag. Dejure.de ist nur zweimal in 2006 archiviert worden, das hilft auch nicht wirklich.
Wie komme ich nun an ein Text-Diff? Unter recht-in.de gibt es prinzipiell die Möglichkeit, eine alte Version abzurufen, nur leider wurden aufgrund der Beendigung der Kooperation mit der Rechtsdatenbank
[w]ie bereits angekündigt ... alle Urteile, Gesetze und Kommentare von recht-in.de entfernt. Wir bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen.
Dang!
Durch Zufall stoße ich auf lexetius.com, und da gibt es genau das, was ich brauche, zum Beispiel hier die Gegenüberstellung der alten und neuen Version des PfandBG – leider nur ist das BKGG nicht aufgeführt. Der Mensch, der das gemacht hat, wurde anscheinend auch für einen Preis auf dem EDV-Gerichtstag 2009 nominiert. Wonach ich also suche, ist ein Gesetz in "historisch-synoptischer Edition". Sowas gibt es für das BGB auch als PDF, von dem Autor von lexetius.com.
Und endlich, schließlich, nach über vierzig Minuten Recherche und mit dem neuen Stichwort "synoptisch" bzw. "Synopse" lande ich via Google(!), weil ich das Nutzerinterface zunächst nicht kapiert hatte, wieder bei buzer.de. Dort sieht die Gesetzesänderung so aus (Link hinter dem Bild geht zur Seite):
Wow. Diese Seite muss ich mir wirklich merken!
Was habe ich gelernt? – Auch wenn ich es niemals vorhatte, merke ich doch, wie richtig es war, nicht Jura zu studieren. Und ich muss mir dieses Jahr keine Sorgen um eventuelle Kindergeldrückzahlungen machen.
Ich war ehrlich gesagt die letzten beiden Tage nicht im bcc, sondern habe nur von zu Hause Streams geschaut. Den letzten Congress über war ich komplett beschäftigt, hatte immer was zu tun, bin zu nichts gekommen – und dieses Jahr sind so gut wie alle Leute, die ich sonst immer dort getroffen habe, nicht da gewesen. Die Atmosphäre ware gefühlt nicht so nett wie noch die vergangenen Jahre.
Die Bitcoin-Analyse war nett und aufschlussreich. Aber auch hier gab es direkt Contra im Publikum und vor allem im IRC – ich weiß da nie so recht, was man glauben soll. Interessant, dass sie den Fakt gebracht haben, dass Rick Falkvinge seine Altersvorsorge in BTC angelegt hat.
Der "Cellular protocol stacks for Internet"-Talk war sicherlich aufschlussreich, wenn man durch die ganzen Akronyme durchgestiegen ist. Ich habe nichts verstanden.
"The Hack will not be televised?" war eine nette Kollektion von Filmen, von denen ich einige auch noch nicht gesehen hatte. Der Fnord-Jahresrückblick war ganz nett.
Ich habe mir extra den Wecker gestellt, um nach nur fünf Stunden Schlaf für den Talk um 13:30 aufzustehen, "bup: Git for backups". Leider gab es keine Demo, und nur wenige Informationen, die über das Lesen der Doku hinausgingen.
Heute nicht so viele Talks geschaut. "Reverse-engineering a Qualcomm baseband" war irgendwie verdammt cool – einen GDB an den Debug-Port eines USB-3G-Adapters anschließen und allerlei Disassembly-Magie betreiebn – aber leider (sprachlich) schwer zu verstehen.
Der Nachfolgende Talk, "Post Memory Corruption Memory Analysis", hatte unglaubliches Potenzial. Den Menschen hätte man mal zwei Stunden lange reden lassen sollen. Leider konnte er nur einen kleinen Teil seiner 90 Folien zeigen, und war glaube ich von der ziemlich unwissenden Audienz ein wenig geschockt. Ist nunmal nicht die Blackhat.
Ich habe mich das erste Mal mit
PIE
außerhalb von -fPIC auseinandergesetzt, was ja im ersten Moment
nicht schlecht klingt. Sein Exploit habe ich nicht so 100% verstanden.
Die Technik aber ist super-elegant: Einfach den Prozess einhundert Mal
wegforken, überprüfen, wo die Adressen anlaufen, und daraus eine
höchstwahrscheinliche Stelle finden. Simpel, aber scheint gut zu
funktionieren.
Erst dachte ich, dass ich einfach bloß vergessen hätte, dass ich heute schon die taz gelesen hatte. Der komplette Artikel inklusive diverser Formulierungn kam mir bekannt vor. Aber dann habe ich nochmal nachgeschaut, und der Artikel "Liebesaffäre" mit Diktatoren (taz) und "Liebesaffäre zwischen westlichen Technologie-Unternehmen und Diktatoren" (Zeit online) ist in vielen Teilen fast im Wortlaut gleich. Einzelne Sätze sind korrigiert bzw. hinzugefügt.
Ehrlich? Liefert die DPA so gut vorstrukturierte Artikel, dass man da nur noch einen Absatz reinfüllen muss, und das als "eigenes" verkaufen kann?
Die Rechnung "Lange schlafen und Keynote mit Laptop im Bett gucken" ging nichtso ganz auf: Das Netz im bcc war flaky und deshalb kamen die FEM-Streams nicht aus dem Gebäude heraus. Dafür in Ruhe geduscht. Der nachfolgende Talk von Anne Roths war interessant – ich hatte die wesentlichen Aspekte der Dresden-Affäre gar nicht so wirklich mitbekommen.
Der Vortrag über die Sicherheit von Eisenbahnnlagen war interessant und unheimlich zugleich. Bei auf physikalischem Kontakt oder simplen Induktionen basierenden Notbremssystemen haben Saboteure auf offener Strecke ja wirklich ein leichtes Spiel. (Sidefact: Dass Sitzplatzreservierungen in den ICEs immer noch per Diskette eingespielt werden lässt auch ein bisschen erahnen, wie "modern" die Technik der Bahn bisweilen ist.)
Die Talks hatte ich von zu Hause mit den mittlerweile funktionierenden Streams geguckt. Dann wollte ich schnell ins bcc los, um einen Platz in Saal 1 zu finden. Hat leider nicht geklappt.
Daraufhin saß ich für den zweiten Part der Talks auf Ebene A mit Kabelnetz und habe weiter Streams geschaut. Den Staatstrojaner-Talk habe ich nur teilweise gehört, den Großteil der Details hatte ich aber auch schon in der Entstehung verfolgt, von daher nicht viel neues.
Travis' Talk über PIP-Exploits war hingegen äußerst interessant. Schaut euch den am besten selbst an (z.B. beim FEM-On-Demand-Stream). Die wesentliche Idee, die man im Hinterkopf behalten sollte: Man kann prinzipiell, und wenn man genügend Bandbreite hat, Radio-Frames ohne Radio-Equipment verschicken – also IP-Pakete schicken, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit als andere Pakete aufgefasst werden, wenn Sie über Wireless-Equipment an den Empfänger geschickt werden. Das ganze ist standards-compliant und ist ein (OSI-)Level-1-Exploit. Beeindruckend.
In der Pause habe ich mir einen Sitzplatz organisiert in Saal 1. Der anschließende Talk, The coming war on general computation, war nicht neu, aber rhetorisch sehr gut (ohne Slides). Ich habe allerdings nur mit halbem Ohr zugehört. Zum Glück gibt es solche Leute, die sich mit lernresistenten Politikern und Lobbyisten herumschlagen.
Bei Karsten Nohls Talk konnte man schon im Voraus davon ausgehen, dass etwas beeindruckendes präsentiert werden würde. Das war dann auch so. Wie bei den beiden vorherigen Talks gilt wieder: Dringend anschauen, und sich im Klaren darüber sein, dass GSM im wesentlichen kaputt ist. Oh, und: In Zukunft die Handyrechnung mal genauer untersuchen, wenn sie erstaunlich hoch ist. ;-)
Danach kam Dan Kaminskys "Black Ops of TCP/IP 2011". Dan hat häufig interessante Ideen aber hat irgendwie weder primärquellen oder veröffentlicht Resultate so, dass sie auffindbar oder nachvollziehbar wären. (Eine Ausnahme, die mir einfällt, ist das DNS-Tunneling-Tool OzymanDNS.) Der Talk ging zunächst um BitCoins, an denen er eineige mehr oder weniger interessante und geeky-lustige Feststellungen machte. Schließlich kam er dann doch noch auf TCP/IP zu sprechen, um später auch noch etwas zu Net-neutrality/QoS zu erzählen. Interessante Anregungen – aber irgendwie nicht so wirklich aufschlussreich. Dazu kommt, dass er schnell redet und gleichzeitig andere Infos auf den überfüllten Slides stehen hat. Eins zur Zeit geht, beides nicht...
Die nachfolgende Pentanews Game Show war gefühlt schlechter und schlechter programmiert (vom Interface her) als letztes Mal.
Ich habe merkwürdige Probleme mit dem WLAN beim Congress. Ich führe das momentan darauf zurück, dass es mehrere APs mit der gleichen ESSID gibt, und natürlich ein beträchtliches Noise-Level herrscht. Das Problem tritt ortsunabhängig und sowohl auf 5Ghz und 2.4Ghz auf, und liest sich im Log wie folgt:
[86969.683316] wlan0: authenticate with b4:a4:e3:64:8d:cd (try 1)
[86969.684909] wlan0: authenticated
[86969.685164] wlan0: associate with b4:a4:e3:64:8d:cd (try 1)
[86969.688341] wlan0: RX AssocResp from b4:a4:e3:64:8d:cd (capab=0x1 status=0 aid=25)
[86969.688351] wlan0: associated
[86996.951510] wlan0: deauthenticating from b4:a4:e3:64:8d:cd by local choice (reason=2)
Man beachte die 27 Sekunden, die zwischen Association und Deassociation liegen.
Manchmal ist auch reason=3. Ich habe diverse Optionen für das
iwlagn-Modul ausprobiert, um das Problem zu lösen (u.a.
11n_disable=1 und swcrypto=1), allerdings ohne Erfolg. Wenn ich
allerdings nicht via iwconfig arbeite, dann geht es: Ich habe das
erste Mal wicd installiert und benutzt, und damit funktioniert das
WLAN wunderbar. Keine Idee, warum.
Mein Bruder interessiert sich seit einiger Zeit sehr für Fotografie und macht wirklich gute Bilder. Die folgenden Fotos von mir hat er über die Feiertage gemacht:
Mit Axel und Frank kam ich
auf Gits eigenes grep zu sprechen. Warum wird die Funktionalität da
gedoppelt und neu programmiert?
Ein Auszug meiner Antwortmail an die beiden, für das Blog mit Links angereichert:
Im wesentlichen leistet git-grep das gleiche wie grep auf allen verwalteten Dateien. ABER es ist, und das war m.E. die Hauptmotivation dahinter, es überhaupt zu schreiben, viel schneller als reguläres grep. (Und reguläres grep zu schlagen ist ja bekanntermaßen schon schwer.)
Zum Beispiel, wenn man im Kernel-Tree greppt. (Alle Kommandos mehrfach ausgeführt, so dass der Cache voll ist.)
$ time grep foo -- **/*.c NO grep foo -- **/*.c &>| /dev/null 17.67s user 0.22s system 99% cpu 17.928 total $ time git grep foo -- **/*.c NO git grep foo -- **/*.c &>| /dev/null 6.17s user 0.31s system 109% cpu 5.888 totalViel beeindruckender wird es noch, wenn man für git-grep das Globbing-Muster erst gar nicht angibt.
$ time git grep foo NO git grep foo &>| /dev/null 0.66s user 0.30s system 342% cpu 0.281 totalOder alternativ ein Globbing-Muster angibt, das aber nicht erst von der Shell expandieren lässt:
$ time git grep foo -- '*.c' NO git grep foo -- '*.c' &>| /dev/null 0.46s user 0.16s system 300% cpu 0.208 total
Also noch mal zusammengefasst: Wenn ich in allen C-Dateien nach "foo" greppe, bin ich mit der Git-Version auf meinem System 17.9/0.208 = 86.05 mal so schnell wie reguläres grep. Anders ausgedrückt: Das eine Kommando dauert, das andere ist fast "sofort da".
Wie das geht? Im wesentlichen ist das auf Multithreading zurückzuführen. (Sieht man ja auch an den CPU-Zahlen: grep bei ca. 100% = eine CPU, git-grep bei >300% = drei CPUs.)
Im Mutltithreading-Modus von git-grep gibt es den Haupt-Thread, der einfach alle Blobs einsammelt, die überprüft werden sollen, und die an acht Threads weitergibt, die dann entsprechend asynchron die Matches durchschauen können, aber trozdem alles in einer sinnvollen Reihenfolge ausgeben. (Details: builtin/grep.c)
Das Video ließ es ja schon erwarten: Das Album Kauft nicht bei Zugezogenen, das man sich hier runterladen kann, steckt voller lustiger Hommagen und längst überfälliger Kritik am Berlin-Hype.
Mal ein Zitat aus "Jugend O.S.T.", durchsetzt mit Samples altbekannter Raps (kursiv markiert):
Ich stürzte in die Schwärze, in die Leere /
Rap ist meine Schwester und ich schütze ihre Ehre /
Meine Jugend versaute ich durch das Verweigern von Befehlen /
doch ich schicke deine Homies ins Gehege /
ich schalte dich aus, schalte auf stur /
ZM kämpft gegen die Kultur
Grandios.
Irgendwie hatte ich es ja geahnt, nachdem der Dönermann unten seit mehreren Wochen umgebaut wurde...
Berlin ist nicht nur die Stadt der 1.000 rund um die Uhr geöffneten Dönerläden, sondern auch die Stadt der 1.000 vorübergehend geschlossenen Dönerläden. "Vorübergehend", weil Dönerläden – wie auch Pizzerien, Schawarmastände, Schnellbäckereien und der ganze Rest – in Berlin grundsätzlich nie final und endgültig geschlossen werden, sondern immer nur "renoviert".
Diese wunderbare Beobachtung stammt aus einem Artikel, der interessanterweise die Dönerladen-Renovierungs-Taktik mit WikiLeaks in Verbindung setzt.
Stimmt ja auch irgendwie. Kommt zwar viel rum auf dem Twitter-Feed von Wikileaks, aber irgendwie nichts von Substanz, sondern nur ein kontinuierlicher Linkdump über WL-Press-Coverage. Oh, und natürlich immer wieder die Hinweise, dass das Geld nach wie vor eingefroren ist, und Assange und Manning mehr oder weniger ohne Charges gehalten werden, was natürlich abscheulich ist (besonders im Fall Manning). Aber rumheulen bringt nichts, leider. –
Der Dönermann unten hat nun wieder Alkohol und eine Bar, wieder Spielautomaten und keine Toiletten mehr (?!). Dafür kein frisch gebackenes Brot mehr. Schade.
Mein guter Freund Valentin zieht in die Schweiz – und verkauft alles, was er nicht mitnehmen kann. (Das scheint mir, abgesehen von Computer, Büchern, Kleidung und Zahnbürste, fast alles zu sein.)
Wenn ihr also an günstigem, gebrauchten Hausrat oder auch an einem großartigen DJ-Set interessiert seid, solltet ihr bei seinem Yardsale vorbei schauen. Ich habe auch schon zwei Sachen gekauft. Die schwarzen Klappstühle werden wunderbar in die Küche passen, sobald sie erst einmal gestrichen ist. ;-)
Übrigens: Das ist der erste Geek-kompatible Yard-Sale, den ich gesehen habe. Die Seite ist autogeneriertes HTML, dessen Markdown-Quellen auf Github verwaltet werden. Entsprechend kann man anhand der Commits (Atom-Feed) verfolgen, was so verkauft wird.
Zum Schluss ein Pro-Tip: Man muss nicht per E-Mail kaufen. Einfach das
Repo auf Github forken, den entsprechenden Artikel in den Sold-Bereich
verschieben, git add -u, committen, und Valentin schreiben. –
Oder wer von euch kann von sich sagen, er habe schon mal per
Pull-Request eingekauft?! – Na eben.
Interessant. Der Sudan hat um Mitgliedschaft in der East African Union gebeten. Interessant, weil der Sudan sich die letzten paar Jahrzehnte nicht im geringsten darum gekümmert hat, jetzt aber nicht mal mehr eine direkte Grenze mit dem nördlichsten Mitglied, Kenia, hat – und weil der Sudan damit dem abtrünnigen Südsudan zuvorkommt – die haben nämlich noch nicht um eine Mitgliedschaft gebeten, obwohl sie ein vornehmlich christliches Land sind, direkte Grenzen zu EAU-Mitgliedern haben und den wirtschaftlichen Vorteil dringender brauchen. Spannend.
Sven wies mich gerade auf die Domain zsh24.de hin. Da gibt's diverse Links zu Ebay-Angeboten des Zsh-Buchs, aber auch Links, um alte, abgeknipste Dresdner Fahrkarten (deren Ebay-Angebotsname "Zsh" enthält) zu kaufen.
Teilweise kann man wirklich denken, das Blog sei nicht automatisiert erstellt: Im Artikel Tolle Zsh Bilder sind automatisiert Bilder zusammengetragen – wohlgemerkt mit entsprechender Verlinkung und Hinweisen, woher sie kommen! Also nicht dumm.
Wer macht sowas? – Ein Domainregistrar, der statt Platzhalterseiten noch ein bisschen durch Prämien verdienen will. – Mal schauen... das Impressum sagt ja schon, wer verantwortlich ist. Also: tiefer graben.
zsh24.de zeigt auf die IP 46.4.212.70, die im neuen RZ
13 von
Hetzner steht. Typischerweise sind ja mehrere
Domains auf eine IP gemappt.
Hier eine Auswahl der Domains, die auch auf 46.4.212.70 zeigen:
markenpositionierung.euorganisation24.demeisterbüro.eurundumerneuerung.deboot-fuehrerschein.degenetiv.de (lol)regress.atDie Domains sind absichtlich nicht verlinkt, weil die Leute wohl noch nicht so SEO-begabt sind (keine Verlinkung untereinander) und ich ihnen da nicht noch extra Aufschwung geben will.
Lustig auch zu sehen, wie simpel teilweise nach Schlagwörtern gesucht wird, wie zum Beispiel hier auf enthaltungen.de, wo ein Tweet der kölner Piraten über ein Abstimmungsergebnis verwendet wird.
Was mich ja doch ein wenig schockt ist allerdings die ebenfalls auf
obige IP-Adresse zeigende Domain tätervolk.de – die Leute, die
solche Worte verwenden, kann man doch immer sehr schnell einordnen.
Und so kommt es auch, dass diese die einzige Domain ist, auf der
jemand tatsächlich einen der automatisierten Posts kommentiert! Ja:
kommentiert! Und nicht nur ein Verwirrter, nein: In den Posts von
"Stahlgewitter"-Liedern (srsly!?!) gibt es einmal 22 und einmal 25
Kommentare. Ich werde das nicht verlinken hier.